Dankbarkeit - Geht es uns nicht verdammt gut?


Vor einigen Tagen hatte ich das Glück jemanden persönlich kennenzulernen, der mich eher aus der Ferne durch eine schlimme Zeit begleitet hat. Ich spreche von Nicole Staudinger, mit der mich eine doofe Krankheit verbindet. Ihr Buch „Brüste umständehalber abzugeben“ hat mich nach meiner eigenen Diagnose unglaublich motiviert die ganze fiese Behandlung erhobenen Hauptes durchzuziehen. Die liebe Nicole hat nun in der Zwischenzeit noch weitere Bücher geschrieben; am 1. März 2018 kam ihr aktuelles Buch „Steh Auf Queen“ in den Handel. Zu meiner Freude hat ihre Lesereise sie auch nach Braunschweig geführt. Bei der Lesung war ich natürlich dabei und was soll ich sagen: Auch in diesem Buch spricht sie mir wieder sehr oft aus der Seele. Und bei einem Punkt besonders. Es geht um Dankbarkeit. Schon lange beschäftigt mich dieses Thema, aber dank der lieben Nicole kann ich es endlich in Worte fassen.

Dankbarkeit. Es gibt so viele Gründe um dankbar zu sein, aber leider sind wir es doch viel zu selten. Das Leben an sich wird doch von den meisten als selbstverständlich und noch viel öfter als sowieso viel zu anstrengend wahrgenommen. So höre ich mir fast jeden Tag Geschichten an von Freunden, von Kollegen, von anderen Eltern aus der Kita und von allen die man sonst noch so trifft. Und der Inhalt ist im Grunde immer der Gleiche. Die Kinder: Zu anstrengend! Schlafen schlecht, hören schlecht, wollen bespaßt und rumgefahren werden. Kindergeburtstage stehen an, Familienfeste sind zu organisieren. Wie nervig! Wenn Weihnachten, Ostern, Geburtstag, Konfirmation, etc. doch schon vorbei wäre. Das Haus was man baut, die Wohnung die man renoviert: So viel Arbeit! So viel zu putzen! Was man da alles organisieren muss! Der Job: Kollegen doof. Chef doof. Aufgaben doof. Die Beziehung: Ach hör mir auf, wir sehen uns ja kaum. Überstunden, Überstunden. Die Kinder lassen uns ja auch keine ruhige Minute. Vielleicht sollten wir uns auch trennen.

So könnte ich das jetzt noch ewig zu allen möglichen Themen weiterführen. Alle sind doch eigentlich permanent unzufrieden. Ich selbst kann mich davon auch nicht zu 100% frei machen, aber dieser Schicksalsschlag in Form einer Krankheit, die mir ziemlich klar die Endlichkeit meines eigenen Lebens vor Augen geführt hat, hat mir doch auch einen anderen Blick auf die Dinge ermöglicht. Also warum sind wir nicht dankbar für die Kinder, die wir uns sehnlichst gewünscht haben? Dafür dass sie gesund sind, lebhaft und schlau. Dass sie eine enge Bindung zu uns haben und uns darum nachts in unseren Betten besuchen, wenn sie jemanden zum Ankuscheln brauchen. Das wir in der finanziellen Lage sind, unseren Kindern tolle Aktivitäten zu ermöglichen, wo wir sie dann hinfahren dürfen. Das wir nicht einfach nur ein Dach über dem Kopf haben, sondern uns tolle Häuser und Wohnungen leisten könne