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November 9, 2017

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Ist das Kunst oder kann das weg? Von Katastrophen und Kunstwerken im Wochenbett.

January 19, 2018

Mit einer Mischung aus Entsetzen und Belustigung im Blick steht mein Mann mit diesem Etwas vor mir. Die Wohnung riecht nach geschmolzenem Plastik. Und ich heule. Verzweifelt, übermüdet und mit einem Neugeborenen im Arm. Leider habe ich in diesem Moment so gar keinen Sinn für dieses Kunstwerk und lustig finde ich auch gerade mal so gar nichts.

Woraus dieses Kunstwerk hier besteht, kann der erfahrene Betrachter unter Umständen recht schnell entdecken: Ein Medela Pumpset mit Flasche, eingeschmolzen in einen Tupperware Reiskocher. Nur wie kam es dazu? 

 

Leider ist der Grund keine besonders kreative Phase unsererseits. Mit Basteln oder Kunst hatte ich es jedenfalls noch nie so. Es handelt sich hier eher um eine Art Zufallsprodukt. Entstanden im August 2013, in der ersten Nacht zuhause mit unserem ersten Kind. Aber fangen wir von Vorne an: 

Mein Sohn kam in einer der heißesten Wochen zur Welt, an die ich mich seit langem erinnere. Nach einer wunderbar komplikationslosen Geburt ging es leider nicht so komplikationslos weiter. Mein zur Geburt recht wohlgenährtes Kind befand sich offenbar in dem Irrglauben, dass die 40 Grad Außentemperatur dieses ungewöhnlich heißen norddeutschen Sommers bedeuteten, dass er wohl noch gar nicht auf der Welt sei. Und viel zu anstrengend war eh alles. Also wurde einfach mal nur geschlafen. Und zack - begann der Teufelskreis. Ich war von jetzt auf gleich mit so viel Milch gesegnet, dass ich wohl die gesamte Wochenbettstation hätte versorgen können. Nur leider wollte mein Sohn erstmal nichts davon. So wurden die Brüste immer praller und es somit immer schwieriger für den kleinen Mund überhaupt an die Brustwarze zu kommen. Und wo doch eh alles schon so warm und anstrengend für den Kleinen war, wurde er auch immer müder so ohne Nahrungszufuhr. Also hieß es Pumpen! Milchfluss in Gang halten, die Brüste etwas weicher machen und die abgepumpte Milch irgendwie ins Kind bekommen, damit er zu Kräften kommt. Mit Rezept für Pumpe, Pumpset und einer geraubten Illusion ging es also nach Hause. Warum klappte das mit dem Stillen nicht? Hatte ich doch schon tausende Male gesehen. Bei Freundinnen, im Fernsehen und bei der Hebamme im Vorbereitungskurs. Kind an die Brust gelegt, Kind trinkt. Fertig. Nun hatte ich sogar gleich richtig viel Milch und es klappte trotzdem nicht? Darauf hatte mich niemand vorbereitet. Und im Krankenhaus war keine Zeit für meine Sorgen. Mit Grauen denke ich daran zurück wie ich nach Hilfe fragte und die Schwester nur immer wieder meine Brust quetschte und versuchte sie meinem Baby in den Mund zu stopfen. Keine Erklärung, keine Tipps, kein Beruhigen. Umso dankbarer war ich für meine Nachsorgehebamme, die mich so wunderbar aufgefangen hat zuhause. Die zugehört hat und mit mir nach Lösungen gesucht hat. Nur den Tipp, das Pumpset im Tupper-Reiskocher in der Mikrowelle zu sterilisieren, den hätte sie uns vielleicht nicht geben sollen...

 

Womit wir wieder beim Kunstwerk wären. Nach einer ruhelosen ersten Nacht zuhause, habe ich im Morgengrauen meinen Mann dazu genötigt doch endlich mal das Pumpset zu sterilisieren. Brav und mit riesigen Augenringen schlurfte er in die Küche um zu tun, was ihm diese mittlerweile sehr angespannte Frau mit dem Baby befohlen hatte. Und ob es nun am Dämmerlicht oder der Müdigkeit lag, jedenfalls drehte er den einen Knopf an der Mikrowelle einen Tick zu weit und stellte sie auf Grillstufe. 30 Sekunden später war es vollbracht, Pumpset, Reiskocher, Mikrowelle und Stimmung restlos ruiniert. Wie ich in diesem Moment auch dachte, jetzt geht die Welt unter, das Kind wird verhungern und meine Brüste werden platzen. Heute kann ich darüber sehr lachen. Denn passiert ist natürlich nichts von alledem. Es gab ein neues Set, was ich dank der tollen Unterstützung meiner Hebamme schnell nicht mehr brauchte und mein Sohn und ich hatte eine lange und tolle Stillbeziehung.

 

Das Kunstwerk gibt es allerdings immer noch und erinnert mich jetzt wieder daran, warum ich unter anderem den Weg gewählt habe, GfG-Familienbegleiterin zu werden. Weil ich damit auch Stillberatung und-begleitung anbieten kann. Es gibt einfach immer noch so viele Frauen, die am Ende doch nicht stillen, weil Ihnen keine kompetente Hilfe zur Verfügung steht. An Vorbildern fehlt es ebenfalls. Kaum eine Frau aus der Generation meiner eigenen Mutter hat gestillt. Weder ich noch meine Geschwister wurden gestillt. Mein Mann auch nicht. Im Vergleich zu früher ist die Beratung und das Wissen rund ums Stillen eigentlich schon ziemlich fortgeschritten, aber lange noch nicht ausreichend. Also mache ich mich motiviert auf den Weg, damit solche unfreiwilligen Kunstwerke am Ende auch bei anderen Müttern die einzigen Katastrophen im Wochenbett und beim Stillstart bleiben.

 

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