Ich hör dir zu - Wirklich?


Jemandem zuhören? Das kann ich! Dachte ich. Bis zu meinem ersten Seminarwochenende im Rahmen meiner Ausbildung zur GfG-Familienbegleiterin hätte ich felsenfest behauptet das ich doch nun wirklich eine tipptopp 1A-Zuhörerin bin. Bis mir dort klar gemacht wurde, dass Zuhören und Zuhören nicht immer das Gleiche ist. Das es da einen doch ziemlich wesentlichen Unterschied gibt in der Art und Weise wie ich jemandem zuhöre. Das Beispiel, welches von der Kursleiterin vorgetragen wurde, fand ich dann auch ziemlich anschaulich:

Person A: "Oh Mann, ich bin total im Stress! Im Job habe ich zu viel zu tun, meine Kinder wollen ständig was von mir und für meinen Partner habe ich auch kaum noch Zeit. Wenn das so weiter geht, halte ich das nicht mehr lange aus."

Person B antwortet: "Ja, was soll ich denn sagen? Ich hab da jetzt ein neues Projekt übernommen, das fordert mich total. Und meine Beziehung? Da läuft eigentlich auch nix mehr. Eigentlich bin ich schon kurz vorm Burn Out."

Na, kommt es jemandem bekannt vor? Also mir fallen auf Anhieb tausende Dialoge ein, die ich mit unterschiedlichsten Personen zu verschiedensten Themen so oder so ähnlich geführt habe. Und ja, leider erkenne ich mich auch ziemlich oft in Person B wieder. Ich höre zwar was der andere sagt, aber ich höre nicht ZU. Der entscheidende Unterschied liegt hier: Hören – Hinhören – Zuhören. Nur hören was der andere sagt reicht eben nicht. Wie oft nutzt man das Gehörte nur als Plattform für seine eigene Story? Im Rückblick fällt mir auf, dass ich das doch ziemlich oft tue. Wie leid es mir jetzt um so viele Gespräche tut, die ich damit vielleicht kaputt gemacht habe. Wo ich mich selbst um die Chance gebracht habe, mehr von meinem Gegenüber zu erfahren. Oder wie oft ich jemandem eventuell das Gefühl vermittelt habe, seine Geschichte wäre weniger interessant als meine.

Mein neuer Ansatz besteht also nun darin in Zukunft zu versuchen besser zuzuhören. Konkret bedeutet das: Zustimmen, Verstehen äußern, Nachfragen, Pausen aushalten und nicht dazwischenreden. Klingt einfacher als es ist, sage ich euch. Aber irgendwann will ich als Person B vielleicht sagen: "Ich verstehe. Das klingt wirklich nicht gut. Klingt als bräuchtest du echt mal eine Pause. Kann ich dir irgendwie helfen?"

Andersherum hoffe ich natürlich auch, dass ich in Zukunft mehr Gespräche mit aktiv zuhörenden Menschen führen darf, wenn mir mal wirklich etwas auf der Seele brennt. Ich habe das Glück, dass ich in meinem Leben schon einige davon habe. Damit es noch mehr werden: Hört doch einfach mal wieder jemandem zu.

Illustration designed by vvstudio / Freepik

#Familienbegleitung #Weiterbildung #Zuhören #AktivesZuhören #Miteinander

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